BLUE(S)

Die Farbe Blau als Dominante

Vernissage: 18. April 2018 um 19:30 Uhr

Ausstellung vom 19.04. - 12.05.2018

Heute kann sich der Mensch nur sehr schwer der leuchtenden Signalwirkung der ihn umgebenden Farben entziehen. Straßenschilder, Werbeplakate, bunte Kleidung und all unsere täglichen Gebrauchsgegenstände besitzen einen farbigen Wiedererkennungswert. Fotos werden digital nachbearbeitet, um eine Welt zu zeigen, die noch strahlender und farbenfroher ist.

Die archaischen Schriften der alten Griechen sowie auch die Bibel sind jedoch geradezu von einer Farbenarmut geprägt. Unterschieden wird dort hauptsächlich nur zwischen Hell und Dunkel sowie der Farbe Rot. Blau hingegen scheint dermaßen unbedeutend gewesen zu sein, dass blaue Naturgegebenheiten wie das Meer und der Himmel bei Homer entweder nicht als blau wahrgenommen wurden oder aus Ermangelung eines sprachlichen Begriffes mit porphyreos (Purpur), also von der Farbe des Weines, beschrieben werden. Auch in der Kunst (Keramik) und Farbenlehre der Griechen wurde die Farbe Blau völlig ignoriert.

Der Begriff cyaneos, der synonym mit schwarz verwendet wurde, symbolisierte wie auch später noch bei den Römern die Trauer. Das Blau als Farbe der Textilien findet erst mit dem Aufkommen des Marienkultes starke Verbreitung in den Gewändern der Muttergottes. Etwa ab dieser Zeit beginnt der spektakuläre Aufschwung der blauen Farbe und steigert sich bis zum Barock zur Farbe der Aristokraten. Das in Europa aus der Färberwaidpflanze durch Fermentation mühsam gewonnene Pigment wird nach und nach durch das intensivere Blau des Indigostrauches verdrängt.

Die Gewinnung des blauen ‚imperialen’ Farbstoffs, des azurum ultramarinum aus gemahlenem Lapislazuli war eine kostspielige Angelegenheit. Dieser Umstand erklärt seinen äußerst spärlichen Einsatz. Erst mit der Erfindung des künstlichen Pigments „Preußischblau“, Anfang des 18. Jahrhunderts, steigert sich Blau zur Lieblingsfarbe. Die Romantiker verehren sie als die Farbe der Sehnsucht (Novalis, Die Blaue Blume).

Heute sind Vielen Redewendungen, die den Begriff Blau enthalten, geläufig, wie zum Beispiel: „sein blaues Wunder erleben“, „das Blaue vom Himmel heruntererzählen“, „blau machen“ oder „blau sein“.

Wir unterscheiden auch unzählige Blautöne: Kornblume, Himmelblau, Jeansblau, Tintenblau, Preußischblau, Azurblau, Kobalt, Marine, Indigo, Gletscherblau, Aquablau, 50er Vintage Light Blue, Türkisblau, Ozeanblau, Topas, Grünblau, Teal, Blautanne, Petrolblau.

Die Ausstellung „Blue(s) – Die Farbe Blau als Dominante“ untersucht die Rolle der blauen Farbe in der zeitgenössischen Malerei. Welche Nuancen lassen sich erkennen und lexikalisch bestimmen? Wie verhalten sich die Blautöne im Gesamtbild und was lösen sie bei dem Betrachter aus?


Mag.art. Anna Flock